Neue Leiternorm gilt seit 1. Januar 

Mit sicherem Tritt

Foto: DGUV

Am 1. Januar dieses Jahres ist die neue Leiternorm DIN EN 131 in Kraft getreten. Die Vorgaben sollen die Sicherheit von Leitern verbessern. Denn mangelnde Standfestigkeit ist noch immer die häufigste Unfallursache beim Einsatz dieser Steighilfen.

Die geänderten Richtlinien betreffen vor allem Unternehmen und Betriebe, die Anlege- und Mehrzweckleitern verwenden. DIN EN 131 wurde durch das Europäische Komitee für Normung (CEN) unter Mitwirkung der Berufsgenossenschaft für Bauwirtschaft (BG BAU), der Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik (BGHW) und der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) entwickelt.

Viele Beschäftigte sind im Umgang mit den Steighilfen fahrlässig oder nicht richtig geschult. Ursachen für Unfälle gibt es viele: Entweder war die verwendete Leiter für die Tätigkeit ungeeignet oder der Untergrund nicht standfest. Laut Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) kam es im Jahr 2016 zu rund 23.700 meldepflichtigen Unfällen im Zusammenhang mit Leitern. Fast jeder 15. Unfall hatte schwere Verletzungen zur Folge oder endete gar tödlich. Ungefähr 90 Prozent aller Leiterunfälle gehen auf mangelnde Standsicherheit zurück. Die überarbeitete Norm soll künftig dafür sorgen, dass diese Gefahrenquelle bereits bei der Herstellung minimiert wird.

Die wichtigste Änderung der DIN EN 131 betrifft alle tragbaren Anlegeleitern mit einer Länge von über 3 m. Diese müssen in Zukunft eine größere Standbreite aufweisen, entweder durch eine Quertraverse oder durch eine sogenannte konische Bauweise. Von der Norm betroffen sind auch Mehrzweckleitern mit einem aufgesetzten Schiebeleiterteil. Ist dieses länger als 3 m, darf es nur von der Leiter trennbar sein, wenn es mit einer Traverse ausgestattet ist, die die neue Standbreiten-Richtlinie erfüllt.

„Allerdings besteht in der Praxis die Gefahr, dass die Extra-Traverse als zusätzliche Standfläche genutzt wird. Das wiederum kann Unfälle begünstigen. Hierauf weist die Norm mit einer Nutzungsungseinschränkung hin“, informiert Thomas Jacob von der Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik. Nicht nur die Standsicherheit wurde dem Fachmann zufolge durch die Norm überarbeitet. In Zukunft werden Leitern auch in zwei Nutzungsgruppen unterteilt, die unterschiedliche Anforderungen mit sich bringen: Leitern für den gewerblichen Einsatz und Leitern für den privaten Gebrauch. Entsprechende Piktogramme auf den Produkten sollen für eine leicht sichtbare Klassifizierung sorgen.

Doch was bedeuten die neuen Vorgaben im Konkreten für ein Unternehmen? Ältere Leitermodelle, die nicht der aktuellen Norm und somit dem Stand der Technik entsprechen, können dann weiterverwendet werden, wenn die Sicherheit für den jeweiligen Arbeitsauftrag garantiert ist. „Nur weil Produkte mit einem höheren Sicherheitsgrad zur Verfügung stehen, bedeutet das nicht, dass andere Produkte verboten sind“, erläutert Thomas Jacob und fügt hinzu: „Wenn eine Leiter zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme den gültigen Rechtsvorschriften entspricht, darf sie auch nach einer Aktualisierung dieser Vorschrift noch verwendet werden.“

Alle Betriebe müssen jedoch Gefährdungsbeurteilungen ihrer Arbeitsmittel erstellen. „Sollte dabei herauskommen, dass die Standsicherheit der Leitern nicht gewährleistet ist, empfiehlt die DGUV, die Geräte mit einer Traverse nachzurüsten“, sagt Thomas Jacob. Nach Aussage des Experten muss das Unternehmen mit der Prüfung sogenannte befähigte Personen beauftragen, die durch Ausbildung, Berufserfahrung und Schulung das erforderliche Know-how erlangt haben, um den Zustand einer Leiter richtig beurteilen zu können.

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