Trend zu nachhaltigen Rohstoffen 

Gut eingepackt

Seegraskugeln können ganz ohne chemische Zusätze als Dämmwerkstoff genutzt werden. Foto: Fraunhofer ICT

Milchsäure in der Hauswand oder Holzschaum auf dem Dach: Dank neuartiger Materialien und verbesserter Technologien wird die Wärme­dämmung von Gebäuden immer ausgefallener, effi­zienter und ressourcenschonender, wie das Bundes­ministerium für Wirtschaft und Energie in seinem Newsletter „Energiewende direkt“ berichtet.

Expertenrat zu passendem Material

Dämmstoffe haben vor allem ein übergeordnetes Ziel: Sie sollen die Wärme dort halten, wo sie hingehört – im Som­mer draußen und im Winter drinnen. Dabei sollte laut den Experten des Ministeriums stets das Motto „weniger ist mehr“ gelten. Denn je niedriger die Wärmeleitfähigkeit ei­nes Materials, desto besser ist seine Dämmwirkung. Trotz­dem gibt es nicht den idealen Dämmstoff. Welcher sich am besten eignet, hängt zum einen von der Art des Einsatzes, zum Beispiel als Dach- oder Fassadendämmung, zum ande­ren aber auch von der Bauart des Gebäudes ab.

Die Auswahl an Dämmmaterialien ist groß. Zu den Klassi­kern gehört zweifelsohne die seit Jahrzehnten bewährte Mineralwolle. Immer stärker im Trend liegen jedoch nach­wachsende Rohstoffe. So steht zum Beispiel Seegras im Mittelpunkt der Forschungs- und Entwicklungsarbeit am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinz­tal bei Karlsruhe. Durch ihre Schimmelresistenz lassen sich die Fasern der Meerespflanze laut den Wissenschaftlern ganz ohne chemische Zusätze nutzen – etwa zur Zwischen­sparrendämmung in Steildächern, zur Isolierung von In­nenwänden oder um Wärmeverluste an der Gebäudehülle zu verringern. Die Fasern nehmen Wasserdampf auf, puf­fern ihn und geben ihn wieder ab, ohne dass die Wärme­dämmfähigkeit beeinträchtigt wird. Gleichzeitig ist der so gewonnene Werkstoff nur schwer entflammbar.

Holz kann mithilfe von Gas aufgeschäumt werden

Ein weiteres nachwachsendes Naturprodukt, das sich zum Dämmen eignet, ist aufgeschäumtes Holz. Forscher expe­rimentieren in diesem Zusammenhang mit verschiedenen Herstellungsverfahren. Bei einem wird das Holz zunächst in feine Partikel zermahlen. Die so entstandene, schleimige Masse wird dann mithilfe von Gas aufgeschäumt und an­schließend ausgehärtet. Ein alternatives Verfahren ähnelt dem Backen eines Teiges im Ofen. Das Ergebnis dieser Pro­zedur ist ein leichter Grundwerkstoff, der sich entweder zu Hartschaumplatten oder elastischen Schaumstoffmatten weiterverarbeiten lässt.

Auch Hartschaum aus Milchsäure eignet sich hervorragend zur Dämmung. Diese wird aus Zucker oder Mais gewonnen. Das so entstandene Material kann nach der Nutzung prob­lemlos kompostiert und wieder der Erde zugeführt werden. In den Niederlanden besitzt BioFoam des Herstellers Iso­Bouw als weltweit erster Hartschaum aus polymerisierter Milchsäure (PLA) bereits die nötigen Zulassungen und wird erfolgreich im Hochbau eingesetzt. Auch in Deutschland rechnet das Unternehmen mit einer baldigen Zulassung und Markteinführung.

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