Künstliche Inseln als Alternative zum Festland 

Leben und Arbeiten auf dem Wasser

In einem 40 x 40 m großen Wasserbecken wird die schwimmende Insel auf ihre Widerstandsfähigkeit getestet. Foto: Marin

Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel all­mählich steigen. Forscher machen sich daher intensiv Gedanken, wie der Tag X bewältigt werden kann. Der Tag nämlich, an dem das Meer über die Ufer tritt. In Deutschland würden Tausende Quadratkilometer Küstenland überschwemmt. Grund genug, auf Al­ternativen zu bauen. Die Lösung: künstliche Inseln. Niederländische Wissenschaftler haben jetzt ein ganz neues Konzept entwickelt.

Im Maritimen Forschungsinstitut der Niederlande (Marin) testet Projektmanager Olaf Waals derzeit ein zukunfts­trächtiges Modell. Es soll das Leben und Arbeiten auf dem Wasser ermöglichen. „Die Deiche zu verstärken und die Rückgewinnung von Land aus dem Meer sind inzwischen wahrscheinlich nicht mehr die effektivsten Lösungen. Eine Alternative sind schwimmende Städte und Häfen“, ist Olaf Waals überzeugt.

Seine Konstruktion besteht aus 87 schwimmenden Drei­ecken aus Holz und Polystyrol, die locker miteinander ver­bunden sind. Auf dieser Basis ließe sich eine künstliche In­sel mit einem Durchmesser von 1 bis 5 km realisieren. Olaf Waals überprüft sein Konzept anhand einer Computersi­mulation und mit einem Modell in einem 40 x 40 m großen Wasserbecken auf seine Beständigkeit bei Wind, Wellen und verschiedenen Strömungsstärken. Damit will er Ant­worten auf eine Vielzahl von Fragen finden, die es vor dem Bau der Insel zu beantworten gilt. Zum Beispiel, wie sich das Leben unter und über Wasser verändert und wie der Müll entsorgt werden kann, der auf dem Eiland entsteht.

Verwendungsmöglichkeiten gibt es viele: Die künstliche Insel kann beispielsweise als Offshore-Energiefarm dienen, die aus Wind, Gezeiten, Wellen und schwimmenden Solar­panels elektrischen Strom gewinnt. Sie könnte aber auch an Küstenorten mit wenig Infrastruktur zum Umladen von Schiffsfracht genutzt werden. Selbst Produktionsanlagen unterschiedlichster Art sind denkbar. Und natürlich bietet die Plattform auch Platz für Wohn- und Bürogebäude – und vielleicht sogar für einen kleinen Park.

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