Forschungsprojekt SANDRA soll Privatleben schützen 

Der Mail-Flut ein Ende setzen!

Nach Feierabend noch schnell eine geschäftliche E-Mail schreiben – für viele Mitarbeiter inzwischen Alltag. Doch die ständige Erreichbarkeit kann schlimme Folgen haben. Fotos (2): pixabay

Smartphones und Laptops führen dazu, dass Beschäftigte stets erreichbar sind und immer und überall arbeiten können – doch das hat nicht nur Vorteile. Die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben verschwimmen zunehmend, die Work-Life-Balance leidet. Das kann im schlimmsten Fall negative Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit haben. Die Universität Kassel hat daher das Forschungsprojekt SANDRA initiiert. Erklärtes Ziel der Wissenschaftler ist es, die Flut an dienstlichen E-Mails und Anrufen nach Feierabend einzudämmen oder zumindest auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Privat- und Berufsleben verschwimmen immer mehr

Auch aufgrund zunehmender Fehltage suchen Unternehmen vermehrt nach Lösungen, um die Gesundheit ihrer Angestellten besser zu schonen. „Diese entsprechen aber noch nicht ausreichend den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – mal sind sie zu schwach, mal viel zu weitreichend. Notwendig ist, sie den unterschiedlichen Bedürfnissen nach Erreichbarkeit und Nicht-Erreichbarkeit der Arbeitnehmer anzupassen“, verdeutlicht der Leiter des interdisziplinaren Forschungsprojektes, der Jurist Prof. Dr. Alexander Roßnagel von der Universität Kassel, der SANDRA gemeinsam mit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Nadine Miedzianowski betreut.

Der sogenannte Erreichbarkeitsassistent des Forschungsprojekts SANDRA kann Anrufe und E-Mails an Smartphones verzögern oder sogar ablehnen.

Das Projekt zur „Gestaltung der Arbeitswelt der Zukunft durch Erreichbarkeitsmanagement“ wurde im April dieses Jahres gestartet und befindet sich derzeit noch in einem sehr frühen Forschungsstadium, wie Nadine Miedzianowski betont. Sie sagt: „In den insgesamt drei Jahren Laufzeit möchten wir eine technische Lösung entwickeln, die in verschiedenen Branchen eingesetzt werden kann und sich an die individuellen Bedürfnisse der Unternehmen anpassen lässt.“ Die wichtigsten Elemente von SANDRA sind:

- Ein speziell entwickeltes Schulungskonzept soll Unternehmen vermitteln, wie sie ihre Beschäftigten im Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln unterstützen können.

- Ein sogenannter Erreichbarkeitsassistent ist das Herzstück des Forschungsprojekts. Diese technische Lösung wird so programmiert, dass sie intelligent und im Einklang mit den Interessen aller Beteiligten Anrufe und E-Mails an Smartphones verzögern oder sogar ablehnen kann, um unterbrechungsfreie Ruhe- oder Arbeitszeiten zu gewährleisten.

- Ein im Leistungssport bereits erfolgreich eingesetztes Verfahren überprüft anhand des Herzschlages des Mitarbeiters, wie wirksam die gefundene Lösung bei der Stressminderung tatsächlich ist.

Führen Betriebe diese Maßnahmen ein, sind damit zahlreiche rechtliche Fragestellungen verbunden. Die Aufgabe der „Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung“ (provet) im Wissenschaftlichen Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung der Universität Kassel (ITeG) unter der Leitung von Alexander Roßnagel besteht darin, diese Fragen bei der Gestaltung, Anwendung und Implementierung der Lösungen zu beantworten. Bereits bei der Entwicklung wurde deshalb auf die Einhaltung rechtlicher Anforderungen, insbesondere aus dem Datenschutzrecht, Arbeitsrecht und Betriebsverfassungsrecht, geachtet. „Dieses Vorgehen schützt die Grundrechte aller Beteiligten und berücksichtigt ihre unterschiedlichen Interessen. Auf diese Weise werden die Chancen der Digitalisierung der Arbeitswelt genutzt und ihre Gefahren minimiert und ausgeglichen“, erläutert Nadine Miedzianowski.

Müde und ausgelaugt – zu viel beruflicher Stress kann sich negativ auf die psychische und physische Gesundheit auswirken. Foto: Jorma Bork/pixelio.de

1,4 Mio. Euro Gesamtvolumen

Das ehrgeizige Forschungsprojekt SANDRA wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Es hat ein Gesamtvolumen von etwa 1,4 Mio. Euro. Rund 280.000 Euro der Fördersumme gehen an die Universität Kassel.

Konsortialführer ist das Fraunhofer IAO. Beteiligt sind außerdem die TU Darmstadt, die HdM Stuttgart sowie die Anwenderunternehmen AGILeVIA und AK Reprotechnik. Während der dreijährigen Laufzeit sollen weitere Unternehmen hinzukommen.

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